Weiterbildung und Berufsbildung

60-Millionen-Neubau ist ein­ge­weiht

Beitrag teilen

Das Bildungszentrum Zürichsee (BZZ) in Horgen hat seinen Neubau eingeweiht. Erstmals in der Geschichte des BZZ erhalten die Jugendlichen Sportunterricht. Bei den Unterrichtsräumen setzt der Bau neue Massstäbe.

Veröffentlicht am 15. September 2020 von Blog Redaktion

Die gläsernen Schulzimmer sind einer der Höhepunkte des neuen Schulhauses, das das Bildungszentrum Zürichsee (BZZ) am Dienstagvormittag eingeweiht hat. Leben eingekehrt ist hier schon vor zwei Wochen mit dem Schulstart nach den Sommerferien. Und in dieser Zeit scheinen sich die Berufsschüler bereits daran gewöhnt zu haben, dass man in den meisten Zimmern vom Gang ins Innere blicken kann. Sie lassen sich nicht vom Unterricht ablenken.

Die Schüler geniessen ihrerseits Seeblick. Die Möbilierung ist zurzeit coronakonform mit Einzeltischen gestaltet.
Fotos: Moritz Hager

Die Glasfronten der Schulzimmer erlauben eine komplette Durchsicht durch das Gebäude.
Foto: Moritz Hager

Erstmals Sportunterricht
Der Neubau bietet Platz für 14 Schulzimmer und acht Gruppenräume. Im Erdgeschoss mit Glasfassade liegen Cafeteria, Mediothek und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Lernenden. In zwei Jahren wird im Erdgeschoss auch die neue Aula in Betrieb genommen. Die Schulleitung nutzt sie vorläufig als Provisorium. Nötig geworden ist der Erweiterungsbau wegen steigender Schülerzahlen.

Bei der Einweihungsfeier in der Dreifachturnhalle konnten die Abstände problemlos eingehalten werden.
Foto: Moritz Hager

Schulleitungsmitglied René Probst, der durch das Gebäude führt, ist sichtlich stolz auf das neue Schulhaus. Es präsentiert sich äusserst modern und ist durch die vielen Fensterfronten besonders hell. Eine «architektonische Meisterleistung» nennt er es. Aber auch das Angebot lässt sich sehen: Nebst den berufsspezifischen Unterrichtsräumen sind in den Erdgeschossen etwa Theorieräume für den Sportunterricht vorhanden, um dessen praktische Seite durch Wissen in Ernährung oder im Körperbau zu ergänzen. Und: Das BZZ hat eine Dreifachturnhalle erhalten. Die Lernenden kommen so erstmals in den Genuss von Sportunterricht – und auch Vereine können die Infrastruktur nutzen.

Frauenquote wird sich ändern
Die Turnhalle, die unter dem Seespiegel liegt, wird am Dienstagvormittag aber anderweitig verwendet: Die Einweihungsfeier geht über die Bühne, an der Regierungspräsidentin und Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP), Baudirektor Martin Neukom (Grüne) sowie Rektor Patrick Heeb Ansprachen halten. Zu den Gästen gehört auch Daniela Mosbacher (FDP), Vizepräsidentin des Horgner Gemeinderats.

Silvia Steiner sagt, dass mit den baulichen Veränderungen am BZZ auch bald ein weiterer Beruf Einzug halten werde. Sie spricht damit an, dass im Rahmen des kantonalen Projekts «Kompetenzzentren» ab nächstem Jahr 800 Fachleute Betreuung in Horgen ausgebildet werden. Dafür werden künftig über 450 Lernende aus der Elektrobranche, dem Detailhandel und Recyclisten nicht mehr an der BZZ unterrichtet. «Die Fachleute Betreuung werden nicht nur die Frauenquote am BZZ verändern, sondern die Kultur der Schule sicherlich nachhaltig beeinflussen», sagt Steiner.

Regierungspräsidentin Silvia Steiner (CVP) wies während ihrer Rede in der Turnhalle auf die eigene Hallensportvergangenheit hin: Sie spielte Handball.
Foto: Moritz Hager

Mit der Fertigstellung des Erweiterungsbaus, der 61 Millionen Franken kostete, kann nun das alte Gebäude der BZZ aus den 1970er-Jahren saniert werden. Dies kostet weitere 19 Millionen Franken. Im Frühjahr 2022 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Den zugemieteten Standort beim Bahnhof Horgen-Oberdorf kann das BZZ dank des zusätzlichen Platzes im Neubau aufgeben. Bezüglich des BZZ-Standorts am rechten Seeufer – derzeit ist dieser in Stäfa – geht Rektor Patrick Heeb davon aus, dass ab 2029 auf dem Areal der Chemischen Fabrik in Uetikon 500 Berufsschüler ausgebildet werden können.

Überhaupt nötig?
Heeb widmet sich in seiner Ansprache einem spannenden Gedanken. Während des Corona-Lockdown habe er sich manchmal die Grundsatzfrage gestellt, ob mit den digitalen Möglichkeiten überhaupt noch «solche schönen Schulhäuser an bester Lage» nötig seien. Selbstverständlich beantwortet er seine Frage mit einem Ja: Für die angehenden Berufsleute sei die Berufsschule eine Plattform für den Austausch mit Gleichaltrigen. «Denn im Lehrbetrieb stehen die Beziehungen zu den Kunden und erwachsenen Arbeitskollegen im Vordergrund.»

Rektor Patrick Heeb eröffnete die Einweihung mit einer mehrminütigen Dankesrede.
Foto: Moritz Hager

Baudirektor Martin Neukom spricht derweil von «grossen bautechnischen Herausforderungen», die hier gemeistert worden seien. So etwa der Umstand, dass sich die Schule in einem «innerstädtischen Bereich» befinde. Nötig sei deshalb innere Verdichtung. Weil die Turnhalle unter dem Seewasserniveau liege, habe das Gebäude entsprechend verankert werden müssen, damit es sich nicht «wie ein Schiff plötzlich hebt».

Baudirektor Martin Neukom (Grüne) erläuterte das architektonische Zusammenspiel zwischen Neu- und Altbau – etwa bezüglich Erdbebensicherheit.
Foto: Moritz Hager

Auch die Kombination mit dem Altbau sei herausfordernd gewesen. Als Ingenieur tue es ihm weh, dass beim alten Gebäude «böse gesagt direkt aus dem Fenster geheizt wird». Doch als Baudirektor wisse er: Es gibt unterschiedliche Interessen, beim Altbau etwa diejenigen des Denkmalschutzes. Das neue Gebäude wurde nach dem zeitgemässen Minergie-P-Eco-Standard gebaut.

Zürichseezeitung, Colin Bätschmann, 1. September 2020

Beitrag teilen:

0 Kommentare


Bitte überprüfen Sie Ihre Eingaben

Es wurden noch keine Kommentare verfasst

Help-Desk

Sie nutzen einen veralteten Browser. Einige Inhalte können daher nicht richtig angezeigt werden. Bitte updaten Sie Ihren Browser: http://browsehappy.com