Weiterbildung und Berufsbildung

Selbst organisiertes Lernen (SOL) – ein Schulbesuch

Beitrag teilen:

Christina Frei arbeitet seit 15 Jahren am BZZ. Sie ist Handelslehrerin, stellvertretende Abteilungsleiterin Wirtschaft und seit 10 Jahren Mitglied der Schulleitung. In dieser Funktion äussert sie sich zur Methode des selbst organisierten Lernens (SOL), die einige Dozenten am BZZ praktizieren.

Veröffentlicht am 16. März 2017 von Blog Redaktion

Christina Frei, am BZZ unterrichten einige Lehrpersonen nach der Methode des selbst organisierten Lernens (SOL). Welchen Bezug haben Sie zu SOL?

Die didaktische Methode des selbst organisierten Lernens (SOL) ist schon seit längerer Zeit ein Gesprächsthema in der Bildungswelt. Konkret damit auseinandergesetzt habe ich mich, als unsere IKA-Lehrerin (Information/Kommunikation/Administration) Anita Schuler vor rund vier Jahren die Einführung der Methode am BZZ forcierte (siehe Blog-Beitrag vom Dezember 2016) und weitere Lehrpersonen Interesse zeigten, SOL in ihrem Unterricht anzuwenden. Als Mitglied der Schulleitung muss ich über die Methode Auskunft geben können.

Am BZZ pflegen wir die Methodenvielfalt. Das bedeutet, dass wir unseren Lehrkräften keine didaktische Methode vorschreiben. Wir haben einen Leistungszielkatalog und sind verpflichtet, diese Ziele zu erreichen. Die Art und Weise, wie die Lehrkräfte das tun, ist ihnen freigestellt. Von der Methodenvielfalt profitieren sowohl die Lernenden als auch die Lehrkräfte.

Christina Frei

Christina Frei

Die SOL-Methode wurde in den Medien vor einigen Jahren kontrovers diskutiert. Welchen Nutzen sehen Sie darin für die Lernenden?

Im Gegensatz zu Anita Schuler bin ich zum Beispiel kein SOL-Profi, aber ich sehe durchaus das Potential. Aufgrund früherer negativer Berichterstattung in den Medien eilt der Methode tatsächlich teilweise immer noch der Ruf voraus, dass es sich dabei um eine versteckte Sparmassnahme handelt. Man vermutete damals, dass man mit SOL an Gymnasien Lehrkräfte einsparen wollte. Wenn man SOL richtig versteht und einsetzt, ist allerdings das Gegenteil der Fall. Lehrkräfte, welche die Methode seriös und professionell einsetzen, haben einen beträchtlichen Mehraufwand. Diesen nehmen sie in Kauf, weil sie von der Methode und dem Nutzen des selbst organisierten Lernens überzeugt sind.

Man muss sich bewusstmachen, dass der Vorbereitungsaufwand immens ist. SOL funktioniert zudem nur, wenn man bereit ist, eine sehr differenzierte Feedbackkultur zu pflegen, und über die Fähigkeit verfügt, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Nur so können Lernenden individuell gefördert, begleitet, unterstützt und zum selbständigen Arbeiten animiert werden. Diese Kompetenzen sind später im Berufsleben sehr gefragt. Richtig eingesetzt ist die Methode meines Erachtens ein grosser Gewinn, denn sie stärkt die Kompetenz der Lernenden, Ziele aus eigener Kraft zu erreichen, sich etwas selber zu erarbeiten und damit eigene Erfolgserlebnisse zu erfahren.

 

Sie haben kürzlich einen Schulbesuch in einer Klasse absolviert, in der die SOL-Methode angewendet wurde. Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?

Vor dem Schulbesuch habe ich mich gefragt, ob es überhaupt möglich ist, eine SOL-Lektion mit meinem Standard-Fragebogen zu beurteilen. Denn mir war bewusst, dass die Lehrperson nicht durch die ganze Unterrichtssequenz hindurchführen wird und die Klasse eigenständig arbeitet. Trotzdem liess sich die Qualität des Lernens durch Beobachtungen sehr wohl beurteilen. Ich habe eine Unterrichtssequenz im Fach IKA einer Berufsmaturitätsklasse besucht.

Fasziniert hat mich vor allem, wie effizient die Klasse die effektive Lernzeit genutzt hat. Die Lehrperson hatte die Unterrichtssequenz sauber vorbereitet. Die Lernenden wussten, was zu tun war. Sie arbeiteten konzentriert und motiviert in Zweiergruppen und hakten auf einer Checkliste die ihnen aufgetragenen Aufgaben ab. Bei Fragen versuchten sie, sich zuerst selber zu helfen. Die Lehrperson war ständig präsent und unterstützte bei Bedarf.

Sehr beeindruckt hat mich auch das Skript, das die Lehrperson den Lernenden zur Verfügung gestellt hat. Bei der SOL-Methode muss das Unterrichtsmaterial selbsterklärend sein. Das Skript war sowohl sprachlich wie auch hinsichtlich der Illustrationen äusserst klar und übersichtlich. Nebst sinnvollem Übungsmaterial enthielt es auch Tipps, wie man sich selber helfen kann, wenn man irgendwo ansteht. Es war eine Freude, dem emsigen Schaffen der Lernenden zuzusehen.

Christina Frei, vielen Dank für das Gespräch.

Beitrag teilen:

0 Kommentare


Bitte überprüfen Sie Ihre Eingaben

    Es wurden noch keine Kommentare verfasst

    Sie nutzen einen veralteten Browser. Einige Inhalte können daher nicht richtig angezeigt werden. Bitte updaten Sie Ihren Browser: http://browsehappy.com