Weiterbildung und Berufsbildung

selb­stän­dig or­ga­ni­siert lernen fördert das Selbst­ver­trau­en

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Selbständig orientiert lernen ist möglich - zum Beispiel an der Berufsschule, für Attestlernende, im Computerunterricht. Wie eine Unterrichtssequenz aussehen kann, was dies für Lernende und Lehrende bedeutet, zeigt dieser Livebericht.

Veröffentlicht am 30. November 2016 von Anita Schuler

Wie ist es eigentlich, wenn man selbständig organisiert lernt (SOL)? Wenn also die Lehrperson zwar da ist, aber nicht instruiert, nicht jeden Arbeitsschritt vorgibt, weder Reihenfolge noch Tempo bestimmt? Wird dann wirklich gelernt oder surfen die Lernenden einfach im Internet rum? Viele Fragen und noch mehr Befürchtungen. Selbst organisiertes Lernen ist für Lehrpersonen und Lernende eine Herausforderung, zweifelsohne. Denn es sieht unter Umständen so aus, als würde die Lehrperson nichts tun. Sie beobachtet zwar das Lernen der Schüler, gibt förderorientierte Feedbacks, fragt nach – aber sie lehrt nicht. Dass Lernen dennoch oder gerade deswegen möglich ist, zeigt ein Live-Bericht zweier Schüler aus der zweijährigen Attestlehre: Luca Farrace erzählt, wie eine Unterrichtssequenz von 3 Lektion aussieht. Und Ana Fruci schildert ihre Eindrücke.

SOL bedeutet nicht, dass sich die Lehrperson vom Unterricht verabschiedet.

SOL bedeutet nicht, dass sich die Lehrperson vom Unterricht verabschiedet.

Luca Farrace: „In den heutigen IKA-Lektionen haben wir den ganzen Morgen selbständig gearbeitet. Das nennt man selbst organisiertes Lernen (SOL). Wir haben einen Auftrag erhalten, den wir erledigen mussten. Der Auftrag handelte sich um Formulare. Er beinhaltete vier verschiedene Unterthemen. Dazu konnten wir auch ein Video anschauen, welches sehr geholfen hat. Wir konnten sehr konzentriert arbeiten und machten so auch grössere Fortschritte. Beim Flipchart vorne konnten wir unseren Stand der Arbeit aufzeigen: wer eine Aufgabe erledigt hat, machte einen Strich. Das hilft sehr, weil man so sein Ziel vor den Augen hat.“

Und was macht die Lehrperson in dieser Zeit, wenn die Lernenden selbständig lernen? „Zwei Lernende zeigten Frau Schuler ihren Prüfungsordner. Sie bekamen dann eine Rückmeldungen wie bspw. dass sie eine detaillierte Übersicht erstellen könnten oder persönliche Notizen hinschreiben dürfen, damit ihnen der Ordner an der Abschlussprüfung wirklich eine Hilfe ist.“

So weit so gut. Sieht aber immer noch aus, als würde die Lehrperson einfach ihre Pendenzen erledigen anstatt zu lehren. Oder sehen das die Schüler anders? „Mir gefällt dieser Unterricht sehr, weil wir sehr selbstständig arbeiten können. Aber diese Unterrichtsweise funktioniert nur, wenn alle Schüler konzentriert arbeiten und die anderen nicht ablenken. Bei uns hat alles sehr gut geklappt, finde ich. Die meisten sind mit den ganzen Aufträgen fertig geworden. Mir würde es gefallen, wenn wir den Unterricht öfters so gestalten würden, weil man auch im Betrieb die meiste Zeit selbstständig arbeiten muss.“

Auch Ana Fruci aus der Parallelklasse gefällt dieses eigenverantwortliche Arbeiten: „Wir waren alle so konzentriert, dass Frau Schuler unsere PCs blockieren musste, damit wir endlich in die Pause gehen. Und weil unsere IKA-Lehrerin meinte, ihre Lehrerkollegen würden das nicht glauben, habe ich es gleich für diesen Liveblog festgehalten. Es stimmt tatsächlich!“

selbständig arbeiten fördert das Selbstvertrauen - und macht erst noch Spass

Selbständig arbeiten fördert das Selbstvertrauen – und macht erst noch Spass

Es gibt Personen die meinen, selbst organisiertes lernen sei nur mit Lernenden möglich, die keine Lernschwierigkeiten hätten. Dass dem nicht so ist, beweisen diese beiden Lernenden aus der 2-jährigen Attestlehre. So meint Ana Fruci treffend: „Mit dieser Methode konnte ich gut arbeiten, da ich erst alles durchgelesen habe und mir die Fragen selber oder mit meinen Banknachbarn/in beantwortete. Durch dieses eigenständige Arbeiten kann man auch lernen, an sich selber zu glauben und es sich selber zu zeigen, dass man etwas auch ALLEINE herausfinden und lernen kann. Dieses Selbstvertrauen ist sehr wichtig.“

(Dieser Text ist gemeinschaftlich mit den Lernenden und während des Unterrichts entstanden.)

 

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3 Kommentare


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  • Helena Friedmann - 30. November 2016 22:40

    Vielen Dank für die Einsicht in den Lern- und Arbeitsprozess. Das Wort ‚SOL(L)‘ wird somit zum ‚WILL‘ fürs Gehirn und seine Synapsen. Es funkt umso mehr und neue neuronale Autobahnen dürfen entstehen.

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  • Ulrich Hofmann - 30. November 2016 21:38

    Super dass am BZZ innovative Lernarrangements angeboten und gefördert werden! Gratuliere!

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  • Michael Bissig - 30. November 2016 21:36

    Gratuliere euch zu eurem Beitrag! Ihr übernehmt die Verantwortung für euer Lernen. Dann funktioniert Lernen an der Schule so wie in unserem privaten Alltag oder Berufsleben auch – eben selbstorganisiert. Und die Lehrperson unterstützt euch, die eigenen Fähigkeiten einzusetzen. Am Ende des Blogs steht ein eindrücklicher Satz: «Das Selbstvertrauen ist sehr wichtig!» Die Hattie-Studies belegen das. Es gibt wenig was in der Bildung zur Lernwirksamkeit unbestritten ist. Die Gewissheit eine Aufgabe bewältigen zu können gehört darunter zu den Top drei. Und das haben Lernende und Lehrpersonen erst noch gemeinsam.

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