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Dschun­gel­camp 2017 – Kleine Stars und grosse Marken

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Mit Buschschweinhoden kauenden, Bullenaugen schlürfenden und in Fischabfällen blubbernden ausrangierten C-Promis macht RTL jährlich Millionen Gewinne.

Dschungelcamp 2017 Marketing

Veröffentlicht am 23. Januar 2017 von Gabriela Frei Gees

Mit Buschschweinhoden kauenden, Bullenaugen schlürfenden und in Fischabfällen blubbernden, ausrangierten C-Promis macht RTL jährlich Millionen Gewinne. Oder sind es doch eher die niederen Instinkte der Zuschauer, die RTL das Januarloch stopft?

Die sadistischen Anrufer, die mit ihrer Stimme erfahrungsgemäss gerne immer wieder denselben Kandidaten bei den Dschungelprüfungen antraben lassen, sind es jedoch nicht, die die Kassen klingeln lassen. Gemäss der deutschen Bild-Zeitung greifen nämlich pro Show lediglich rund 10’000 Menschen zum Telefon. In diesem Jahr machte es dieser kleinen Gruppe von Zuschauern besonders viel Freude, das Ersatzteillager Kader Loth zum Sternesammeln zu nominieren. Kader, die schon durch Fernsehsendungen wie Big Brother und Frauentausch tingelte, war nicht nur allerlei Ekligem ausgesetzt, sondern bot den Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich immer wieder verbale Steilpässe für böse Häme.

Die Anruferzahlen repräsentieren lediglich 0.16 Prozent der Zuschauer. Täglich führen sich über 7 Millionen Menschen – viele davon mit überdurchschnittlich hohem Bildungsgrad – die abendliche Gruseldosis aus Australien zu Gemüte. Somit ist das Dschungelcamp das erfolgreichste TV-Format im deutschen Fernsehen, was natürlich auch der zahlungskräftigen Werbekundschaft nicht entgangen ist. Von der gigantischen Reichweite der Sendung profitieren unter anderem Bahlsen, McDonald’s, Opel, EAT.ch und Weight Watchers. 30 Sekunden Werbung kosten zwischen 85’000 und 135’000 Euro, je nachdem, ob es sich um einen normalen Spot oder eine Sondereinblendung während der Show handelt. In diesem Jahr soll bei RTL ein Gewinn von über 60 Millionen möglich werden.

Wieso aber lockt ein teilweise fast menschenunwürdiges Format dermassen Viele vor den Bildschirm? Psychologen und Medienschaffende schreiben den Erfolg der Rezeptur – und damit sind nicht die grauenhaften Shakes der Kotzfrucht gemeint – des Dschungelcamps zu. Man nehme 12 in Geldnot geratene halbwegs in Deutschland bekannte Menschen und setze sie diversen Stresssituationen aus. Der gruppendynamische Prozess sorgt dann ganz automatisch für allerlei Emotionen. Noch etwas nackte Haut und ein paar Zwangsstörungen dazu und fertig ist die Unterhaltung für jedermann, respektive -frau. Gemütlich vom Sofa aus können so während 17 Tagen hemmungslos der Schadenfreude und dem Voyeurismus gefrönt werden, während der Sender die Millionenbudgets der grossen Marken einstreicht.

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