Weiterbildung und Berufsbildung

Selbst organisiertes Lernen (SOL) am BZZ

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Seit 2010 unterrichtet Anita Schuler am BZZ Horgen das Fach IKA (Information, Kommunikation, Administration). Sie hat das selbst organisierte Lernen (SOL) in ihrer Ausbildung zur Berufsschullehrerin selber erfahren und wendet die Methode in ihrem Unterricht an.

SOL Klasse am BZZ

Veröffentlicht am 19. Dezember 2016 von Erica Sauta

Anita Schuler, du bist eine überzeugte Verfechterin des selbst organisierten Lernens, kurz SOL genannt. Woher kommt diese Begeisterung?

Das Thema Lernen ist mein persönliches Steckenpferd. Ich bin schon immer gerne zur Schule gegangen und heute unterrichte ich mit viel Freude. Vielleicht liegt das an meinem Namen: Schuler (lacht). Das Lernen fasziniert mich seit jeher sehr. Während meiner Ausbildung zur Berufsschullehrerin an der PHZH sammelte ich beim Dozenten Andreas Sägesser, einem Experten für Fachdidaktik, Erfahrungen mit der Methode des selbst organisierten Lernens. Im Modul ICT wendeten wir SOL in extremis an, indem wir selber bestimmen konnten, was wir lernen wollen. Mit diesem hohen Mass an Selbstbestimmung waren die einen anfangs überfordert, aber letztlich schlug selbst beim härtesten Kritiker die Skepsis in Begeisterung um. Andreas Sägesser ermutigte uns, SOL auch mit unseren Schülern auszuprobieren und von unseren Erfahrungen zu berichten.

Selbstbestimmung ist ein wichtiges Stichwort beim selbst organisierten Lernen. Was genau versteht man unter SOL?

Selbst organisiertes Lernen fördert die Selbstverantwortung jedes Einzelnen für seinen individuellen Lernprozess. Im Normalfall gilt seit jeher das Prinzip, dass der Lehrer im Frontalunterricht etwas erzählt und die Schüler mehr oder weniger vom Lehrstoff behalten. Beim SOL macht man sich die Erkenntnis zunutze, dass man viel besser lernt, wenn man Themen eigenverantwortlich erarbeitet. Um künftig ihren Beruf erfolgreich ausüben zu können, müssen die Berufsschüler über gewisse Kompetenzen verfügen, die sie bei mir auch an Prüfungen unter Beweis stellen. Im Vergleich zum klassischen Unterricht ändert sich vor allem der Weg, der zum Ziel führt, denn die Schüler bestimmen weitgehend selber, wie und in welchem Tempo sie lernen.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Zunächst müssen die Leitplanken bekannt sein. Die für die künftigen Berufsleute erforderlichen Kompetenzen bildet man in einem sogenannten Kompetenzraster ab. Ich persönlich verwende lieber den Begriff „Kann-Liste“. Die Lernenden entscheiden selber, ob sie sich zu bestimmten Themen minimale, geforderte oder erhöhte Kompetenzen aneignen wollen. Diese Kann-Liste gibt dann den Fahrplan vor. Idealerweise analysieren wir zu Beginn des Lernprozesses miteinander, welches Wissen bereits vorhanden ist und welches Ziel wir erreichen wollen. Für ihren Lernprozess stelle ich den Schülern bildlich gesprochen ein Buffet an Ressourcen zur Verfügung. Zum Beispiel das Lehrmittel, kleinere Aufträge oder theoretische Inputs etc. Die Schüler wählen dann selber aus, mit welchen Ressourcen sie die Kompetenzen erlernen wollen und wie oft sie sich am Buffet bedienen. Ein wichtiger Bestandteil und für mich auch ein Kontrollorgan ist die Abbildung des Lernprozesses. Die Schüler führen ein sogenanntes Portfolio oder auch Lernjournal, in dem sie ihren Lernfortschritt reflektieren und ihre Beobachtungen protokollartig festhalten. Sehr zentral beim selbst organisierten Lernen ist zudem das Coaching der Lehrperson. Meine Aufgabe besteht darin, die Schüler zu ihrem Prozess hinzuführen, sie zu begleiten, bei Schwierigkeiten Impulse zu geben, Arbeiten mit förderorientierten Feedbacks zu kommentieren und die Schüler individuell oder gruppenweise zu beraten. Das ist für mich der wichtigste und schönste Teil von SOL. Hier kommt es auf meine Qualitäten als Lehrperson, als Lernbegleiterin an. In dieser fördernden Begleitung unterscheidet sich SOL meines Erachtens auch am meisten von anderen Unterrichtsmethoden.

SOL Klasse am BZZ

Das ist die Klasse HKVA12b, mit der Anita Schuler erstmals SOL ausprobierte. Eine Attestklasse, also eine 2-jährige Lehre. SOL funktioniert unabhängig vom Vorwissen und Lernstand der Schüler.

Spornt die hohe Selbstverantwortung nicht dazu an, während der offiziellen Schulstunde etwas ganz Anderes zu machen, als zu lernen?

Diese Gefahr besteht auch bei klassischen Unterrichtsformen. Zudem kann ich dank meiner dauernden Anwesenheit jederzeit eingreifen, da ich auf die Computer der Schüler sehe. Wenn ich beispielsweise feststelle, dass sich jemand mit themenfremden Inhalten befasst, spreche ich sie oder ihn direkt darauf an. Es ist meine Aufgabe als Lehrperson, die Lernenden dazu zu bewegen, ihren Fokus im Auge zu behalten. Bis anhin habe ich sehr positive Erfahrungen mit dem SOL gemacht. Dies bestätigen sowohl die Resultate der Schülerinnen und Schüler als auch die Feedbacks aus den Lehrbetrieben.   

Anita Schuler, vielen Dank für das Gespräch.

Anita Schuler unterrichtet IKA-Fächer am BZZ.

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