Weiterbildung und Berufsbildung

«Ein in vielerlei Hinsicht aus­ser­ge­wöhn­li­ches Bau­pro­jekt»  

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Matthias Schmidlin von der Berger + Schmidlin AG betreut den BZZ-Erweiterungsbau in Horgen als Bauingenieur. Für den erfahrenen Architekten und Bauingenieur ist dieses Projekt eines der grössten und aussergewöhnlichsten seiner Karriere – zum Glück kann er auf eine reiche Erfahrung bauen.

Matthias Schmidlin, Bauingenieur BZZ Erweiterungsbau 2017

Veröffentlicht am 11. Oktober 2017 von Blog Redaktion

Herr Schmidlin, die Aufgaben eines Bauingenieurs sind vielfältig und wesentlich für die Sicherheit und die Wirtschaftlichkeit eines Bauvorhabens. Dennoch wirken Bauingenieure eher im Hintergrund. Woran liegt das?

Das hat vor allem zwei Gründe. Einerseits steht bei einem Bau ganz klar der visuelle Eindruck im Vordergrund – man sieht in erster Linie die Fassade. Für Themen wie das Tragwerk, die Mechanik und die Festigkeitslehre interessieren sich höchstens Fachkreise. Andererseits sind die Architekten viel stärker der Kultur des Wettbewerbes unterworfen. Bei den Bauingenieuren ist das weniger der Fall, obwohl dieser Berufsstand einen grossen Dienst an der Gesellschaft erbringt – man denke etwa an die gesamte Infrastruktur wie Strassen, Brücken und so weiter. Aber all diese Bauten sind weniger personenbezogen.

Welches sind Ihre Hauptaufgaben?

Kurz zusammengefasst bin ich für den Rohbau zuständig, den der Architekt anschliessend mit einer Fassade bekleidet und für einen schönen Innenausbau sorgt. Die Baugrube, die Fundationen und der gesamte Rohbau basieren auf den Plänen des Bauingenieurs.

Wie detailgetreu sind diese Pläne? Wird da beispielsweise jedes einzelne Armierungseisen eingezeichnet?

Ja, die Pläne sind sehr detailgetreu. Aufgrund der statischen Berechnungen legen mein Team und ich jedes einzelne Detail wie die Dimensionen der Armierungseisen fest, zeichnen diese auf den Plänen ein und erstellen sogar eine Stückliste. Es ist ein bisschen wie beim Kochen: Wir sind verantwortlich für das Rezept und die Mise en Place, die beteiligten Unternehmen übernehmen die Umsetzung des Menüs. Das Schöne an unserem Beruf ist, dass wir ein Bauprojekt von den ersten Plänen bis zum fertigen Rohbau ohne Unterbruch begleiten.

Die Bauarbeiten starteten mit einer imposanten Baugrube, 23 Meter tiefen Bohrlöchern, 180 Pfählen und einer Fundamentplatte, bevor der Rohbau in Angriff genommen werden konnte. Waren Sie von Anfang an involviert?

Ja, als Bauingenieur ist man von Anfang an involviert. Vor allem hier in Horgen bei diesen engen Platzverhältnissen geht es auch um logistische Fragen wie etwa die Planung der Zufahrten für die Lastwagen.

Der Erweiterungsbau in Horgen liegt in der Nähe des Zürichsees. Welches sind die besonderen Herausforderungen?

Das Element Wasser ist immer eine Herausforderung. Bei dieser Baustelle ist die Herausforderung doppelt gross, da wir mit Hang- oder Seewasser konfrontiert sind. Es gilt die Balance zu halten zwischen der Schwerlast des Gebäudes und dem Auftrieb des Grundwassers. Aussergewöhnlich ist beim BZZ-Erweiterungsbau zudem, dass wir aufgrund der versenkten Turnhalle 8 Meter tief ins Grundwasser bauen. Sicher zwei Drittel des Bauvolumens befindet sich unter Terrain. Die Bauarbeiten über Terrain starten erst im Sommer 2018.

Derzeit sind 15 Arbeiter aus unterschiedlichen Unternehmen auf der Baustelle tätig. Alle arbeiten mit Ihren Plänen. Funktioniert da immer alles nach Wunsch?

Mein Hauptanliegen ist, dass nicht nur die Berechnungen stimmen, sondern auch die Pläne absolut verständlich sind. Nur so können die Fachleute ihre Aufgaben richtig umsetzen. Ich bin sehr häufig auf der Baustelle und schätze die Zusammenarbeit mit der Bauführung, den Polieren und den Eisenlegern sehr. Wir pflegen eine offene Kommunikation und besprechen laufend die nächsten Schritte.

Jede Konstruktion weist ihre Eigenarten auf. Durch welche Besonderheiten besticht der BZZ-Erweiterungsbau?

Der BZZ-Erweiterungsbau inklusive Sanierung des Altbaus ist ein in vielerlei Hinsicht aussergewöhnliches Bauprojekt. Die Verantwortlichen haben sich sehr viel vorgenommen. Die Dreifachturnhalle und die Überschneidung der Nutzungen sind keine alltäglichen Merkmale eines Bauwerks. Zudem müssen wir bei der Planung verschiedene Gewerke und Materialien berücksichtigen und Vorlaufzeiten für die entsprechende Materialbestellung bedenken. Unsere Erfahrung kommt uns bei diesem anspruchsvollen Projekt sicher zugute.

Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit im Projektteam?

Bei diesem Projekt fällt mir auf, dass es seit der ersten Wettbewerbsstufe wie ein geölter Blitz läuft. Vergleichbare Projekte verzögern sich häufig wegen interner Grabenkämpfe. Hier ziehen alle Parteien – inklusive der Gemeinde Horgen – am gleichen Strang. Das ist sehr angenehm und förderlich für ein gutes Gelingen.

Herr Schmidlin, vielen Dank für das Gespräch.

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