Weiterbildung und Berufsbildung

Eine Anleitung zu mehr digitalem Un­ter­richt

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Es geht nicht darum, ob ein Buch besser sei als digitale Medien. Sondern darum, dass in unserem Unterrichtsalltag eine Vielfalt in der Medienwahl genauso selbstverständlich sein soll wie eine Methodenvielfalt. Wie das gehen könnte, zeigt der Gymnasiallehrer Philipp Wampfler mit seinem 154 Seiten schlanken Büchlein. Digitaler Deutschunterricht - neue Medien produktiv einsetzen ist ein Mutmacher für Lehrpersonen aller Stufen und aller Fachrichtungen.

Veröffentlicht am 11. April 2017 von Anita Schuler

Eines vorweg: ich bin keine Deutschlehrerin – und dennoch lese ich mit besonderem Interesse Philipp Wampflers Mutmacher „Digitaler Deutschunterricht – Neue Medien produktiv einsetzen.“ Denn als IKA-Lehrerin arbeite ich fast ununterbrochen am und mit dem Computer. IKA steht für Information, Kommunikation und Administration und die Berufsschüler lernen mit den Office-Produkten Word, Excel und PowerPoint businessmässig umzugehen. Soviel zu mir und meinem Unterricht und sozusagen als Einleitung, warum Medien im Unterricht für mich selbstverständlich ein Thema sind.

Stimmt eigentlich nicht ganz. Denn selbstverständlich ist in meinem Unterricht nur die Arbeit am und mit dem Computer. Meistens darf das Internet benutzt werden – aber auch nur unter strenger Beobachtung – letzteres ist mir zutiefst zuwider. Es werden Übungsdateien bearbeitet, der Auftrag ist im schulinternen Intranet aufgeschaltet und alle Informationen über den Unterricht, Prüfungen und andere Termine sind dort abrufbar. Und je nach Klasse kommt ein digitales Lehrmittel zur Anwendung – das je nach Klasse nicht mehr als ein umfassendes .pdf-Dokument ist oder ein E-Book, in das man Notizen machen, Seiten teilen, die Inhalte an drei verschiedenen Arbeitsplätzen synchronisieren kann und man könnte sogar ein gemeinschaftliches Klassenbuch führen. Soweit, so gut – könnte man meinen. 

Wenn ich ehrlich bin, ist mir das zu wenig. Das wissen meine Fachkollegen genauso wie die Schulleitung. Ich gelte bei diesem Thema wohl eher als etwas gar motiviert und zu enthusiastisch. Dennoch bin ich sehr davon überzeugt, dass etwas mehr Digitalisierung im Unterricht nur von Vorteil für alle ist. Und damit ich nicht missverstanden werde: mit mehr meine ich nicht, dass dies zu Lasten von anderen Methoden und Medien gehen soll, ich bin für ein sowohl als auch, für Methodenvielfalt und somit auch für eine Vielfalt an Medien. Und da gehören neben sinn- und lehrreich visualisierten Flipcharts oder Tafelbilder unbedingt auch digitale Medien dazu.

Ein Gymnasiallehrer, der schon weit mehr Erfahrung damit hat und sehr viel mehr ausprobiert und in seinem Unterricht erfolgreich anwendet, ist Philippe Wampfler. Ich habe ihn zwar bis heute noch nicht persönlich kennengelernt, aber ich kenne seinen Blog, bin auf Facebook mit ihm befreundet (ja, stellen Sie sich vor, ich als Lehrerin habe ein Facebook-Account!) und lese gerade sein Buch „Digitaler Deutschunterricht“. Und genau darüber möchte ich häppchenweise berichten – hier mal ein erster Eindruck.

In der Zwischenzeit lese ich Bücher in etwa so, wie ich eine Website betrachte: Ich schaue im Inhaltsverzeichnis, was mich interessiert und klicke – äh blättere – auf die entsprechende Seite. Und in diesem Fall habe ich ganz nach hinten geblättert, zur S. 149 (von 154 – das Büchlein kann man sich also in relativ kurzer Zeit zu Gemüte führen und sofort auch nur Teile daraus anwenden): Wie Deutschlehrkräfte digital fit werden. Fast selbstsprechend, dass nicht nur Deutschlehrkräfte damit gemeint sind, denn die folgenden 9 Tipps können alle Lehrpersonen sofort umsetzen – und manchmal sind die guten Ideen generell gültig, digitale Medien hin oder konventioneller Unterricht her:

1.      Lurken – anderen zuschauen, um zu verstehen, wie etwas geht.

2.      Den Hype mitgehen – einfach mitmachen, ausprobieren und dann verstehen, worum es geht statt vorschnell ein (Vor)Urteil fällen.

3.      Wissens- und Zusammenarbeit digitalisieren – Tools wie Evernote oder OneNote verwenden, Daten auf OneDrive oder Dropbox laden, Schüler und Lehrpersonen zum (Weiter)Bearbeiten, Mitmachen, Ergänzen ermuntern.

4.      Digitale Kultur wahrnehmen – Blog- und Kommentarkultur sind nicht nur für Jugendliche und Erwachsene gleichermassen bedeutsam sondern heutige kulturelle Form des Ausdrucks.

5.      Berufliche Erfolge und Probleme im Netz dokumentieren – öffentlich denken bspw. in einem Blog wie diesem und so Eltern und Lehrbetriebe, andere Lehrerkollegen und Schulen, Fachinteressierte u.v.a.m. an der eigenen Geschichte und Problemstellung teilhaben – stets professionell und im förderorientierten Austausch.

6.      Sich in der Lehrercommunity vernetzen – der Austausch von ähnlichen Frage- und Problemstellungen, Unterrichtsunterlagen, Projektarbeiten u.v.a.m. geht digital besonders einfach. Denn: Teilen ist das neue Haben.

7.      Sich mit Lernenden vernetzen  Chat-Foren einrichten oder gemeinsam eine Blog-Plattform nutzen. Denn wer es versteht, die Tools und Kommunikationsmittel der Jugendlichen zu nutzen wird staunen, wie aus einem mühsam zusammengeschusterten, knapp einseitigen Aufsatz plötzlich und mühelos detailreiche, interessante und durchaus lange Blogs werden.

8.      Mit Lernenden neuen Medien gestalten – Anstelle eines Rollenspiels mal einen Lernfilm kreieren und auf einem Youtube-Kanal teilen. Und der Rest – siehe Punkt 7.

9.      Lernen durch Lehren: Die Weiterbildung der Zukunft – Lehrpersonen, die schon die eine oder andere Erfahrung mit digitalen Medien im Unterricht gemacht hat, soll unbedingt im Lehrerzimmer, an Konventen, Abteilungssitzungen, schulinternen Weiterbildungen und dergleichen erzählen. Denn die wirksamste Weiterbildung findet im Lehrerkollegium statt.

Das eine oder andere habe ich schon ausprobiert. Und versprochen: Auf Punkt 9 dürft ihr euch bei mir verlassen!

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